PORTRAIT

 

Wolfgang Kessler

1962 | geboren in Hannover

1982–1987 | Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

1988 | Meisterschüler bei Ben Willikens

1991–1992 | Lehrauftrag an der HBK Braunschweig

1995 | Förderpreis der Hermann-Haake-Stiftung, Stuttgart

1998 | Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes für das Deutsche Studienzentrum Venedig

2002 | Stipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, Bamberg

2003 | Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen

2004 | Teilnahme am Internationalen Symposium für zeitgenössische Kunst in Baie-St.-Paul, Québec

2005 | Gastatelier in der Villa Romana, Florenz

Lebt und arbeitet in Detmold

 

Kleine Erwachsene – Portraits von Kindern

 

Portraits von Kindern

Kinderbildnisse sind ein klassisches Genre der bildenden Kunst. Sie haben eine lange, bis in die Antike zurückreichende Tradition und sind eng mit der Kultur- und Sozialgeschichte verknüpft. Die Darstellung von Kindern wird in den verschiedenen Perioden ihrer Entstehung stark vom Geist der Zeit beeinflusst. Schon immer war der Blick des Künstlers auf das Kind voll von Projektionen, in denen sich kollektive ebenso wie subjektive Vorstellungen, Normen und Fantasien spiegeln. Bis zum Ende des Mittelalters wird die Kindheit von der Gesellschaft gar nicht als eigenständige Lebens- und Entwicklungsphase angesehen.

 

 

 

Kinder werden nicht als Kinder, sondern als kleine Erwachsene betrachtet. Daher werden ihnen auch keine besonderen Bedürfnisse zugestanden. Sie werden wie Erwachsene gekleidet und in die Pflicht genommen. Die Ursachen dafür liegen in der Geschlossenheit der mittelalterlichen Sozialordnung und im starken Einfluss der christlichen Religion auf das Denken und Fühlen der Menschen. Jesus Christus, von Gott als Weltenretter und -herrscher gesandt, wird bereits bei seiner Geburt als außergewöhnlich und einzigartig wahrgenommen: Ein Kind, das schon in der Krippe Zeichen und Wunder bewirkt und als 12jähriger die Priester im Tempel belehrt und beschämt. Kein Wunder, dass ihn die Maler selbst als Baby in den Armen seine Mutter eher als Erwachsenen denn als Kind darstellen.

 

In den fotorealistisch genauen Gemälden von Wolfgang Kessler werden die Dichotomien, die sich bis heute um das Wesen des Kindes ranken, zusammen geführt. Hier ist das Kind nie nur das eine oder das andere, nie von Natur aus entweder gut oder böse, sondern tritt uns in ganz unterschiedlichen, widersprüchlichen und zum Teil auch provozierenden Rollen gegenüber. Das ist umso erstaunlicher, als es sich bei den Porträts des Malers um das Bild der eigenen Tochter Theresa handelt, zum Teil ergänzt von Bildern ihrer Freundinnen. Dass Künstler ihre eigenen Kinder porträtierten, ist in der Geschichte der Kunst nicht neu. Aber stets gilt es dabei, einen Balanceakt zu vollziehen, wenn diese Bilder nicht rein privat bleiben wollen. Sie müssen den Schritt vom Persönlichen ins Allgemeine vollziehen, damit sich Betrachter sich in ihnen wieder finden kann.

MICHAEL STOEBER

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    WOLFGANG KESSLER

    MALEREI

    Der Künstler muss wissen, auf welche Art er die anderen von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen überzeugen kann.
    Pablo Picasso

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Portraits von Kindern

Kinderbildnisse sind ein klassisches Genre der bildenden Kunst. Sie haben eine lange, bis in die Antike zurückreichende Tradition und sind eng mit der Kultur- und Sozialgeschichte verknüpft. Die Darstellung von Kindern wird in den verschiedenen Perioden ihrer Entstehung stark vom Geist der Zeit beeinflusst. Schon immer war der Blick des Künstlers auf das Kind voll von Projektionen, in denen sich kollektive ebenso wie subjektive Vorstellungen, Normen und Fantasien spiegeln. Bis zum Ende des Mittelalters wird die Kindheit von der Gesellschaft gar nicht als eigenständige Lebens- und Entwicklungsphase angesehen.

 

Kinder werden nicht als Kinder, sondern als kleine Erwachsene betrachtet. Daher werden ihnen auch keine besonderen Bedürfnisse zugestanden. Sie werden wie Erwachsene gekleidet und in die Pflicht genommen. Die Ursachen dafür liegen in der Geschlossenheit der mittelalterlichen Sozialordnung und im starken Einfluss der christlichen Religion auf das Denken und Fühlen der Menschen. Jesus Christus, von Gott als Weltenretter und -herrscher gesandt, wird bereits bei seiner Geburt als außergewöhnlich und einzigartig wahrgenommen: Ein Kind, das schon in der Krippe Zeichen und Wunder bewirkt und als 12jähriger die Priester im Tempel belehrt und beschämt. Kein Wunder, dass ihn die Maler selbst als Baby in den Armen seine Mutter eher als Erwachsenen denn als Kind darstellen.

 

 

In den fotorealistisch genauen Gemälden von Wolfgang Kessler werden die Dichotomien, die sich bis heute um das Wesen des Kindes ranken, zusammen geführt. Hier ist das Kind nie nur das eine oder das andere, nie von Natur aus entweder gut oder böse, sondern tritt uns in ganz unterschiedlichen, widersprüchlichen und zum Teil auch provozierenden Rollen gegenüber. Das ist umso erstaunlicher, als es sich bei den Porträts des Malers um das Bild der eigenen Tochter Theresa handelt, zum Teil ergänzt von Bildern ihrer Freundinnen. Dass Künstler ihre eigenen Kinder porträtierten, ist in der Geschichte der Kunst nicht neu. Aber stets gilt es dabei, einen Balanceakt zu vollziehen, wenn diese Bilder nicht rein privat bleiben wollen. Sie müssen den Schritt vom Persönlichen ins Allgemeine vollziehen, damit sich Betrachter sich in ihnen wieder finden kann.